Ferne Ziele erreicht man am besten gemeinsam.

Basislager am Fuße des
Mt. Hunter
Mt Hunter
Eisige Küche auf 5000m
Lager auf 3500m

Blick von der West Buttress
zum Medical Camp

West Buttress
Medical Camp 4200m, nach
einem Schneesturm
Die letzten Meter bis zum Gipfel
geschafft 6195m
Zurück zum langen Abstieg

Das Gipfelteam:

Andreas Weber, Stefan Kaul und
Jürgen Roth

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Denali, Mt. Mc. Kinley, 6195m

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Suche nach mehr
Mt. Mc. Kinley oder Denali, 6195m, Alaska, Nordamerika


Der Traum von immer höheren, schwereren und extremeren Gipfeln steckt wohl in den meisten Bergsteigern, Alpinisten und Kletterern - wie auch immer man sich nennen will. Das Ziel bleibt wohl meistens das gleiche. Doch für viele bleibt es auch ein Traum, einmal in ihrem Leben einen großen und berühmten Berg zu besteigen. Vor allem dann, wenn dieses Ziel selbst organisiert und verwirklicht werden soll. Aber gerade das macht ein solches Unternehmen fern der Heimat so reizvoll. Die Organisation und Durchführung der Besteigung eines hohen Berges ist nicht nur den Profis vorbehalten. Ich will am Beispiel unserer Denali-Expedition im Frühjahr 1997 zeigen daß, jeder, der sich für die großen Berge der Welt interessiert, auch eine Chance bekommt diese mit eigenen Mitteln und Kräften zu besteigen,. Allerdings muß auch jeder wissen, wo und wann seine Grenzen oder die seiner Kameraden erreicht sind. Sollte die alpine Erfahrung und die entsprechenden Kenntnisse vorhanden sein, ist der Rest nur noch eine Frage des richtigen Angehens an ein derartiges Projekt.

Für uns fiel die Entscheidung, den als kältesten Berg der Welt bekannten Mt. Mc. Kinley, oder besser noch Denali, zu besteigen, im Winter 1996/97. Recht spontan und unvorbereitet fragte ich Stefan, ob er mit mir nach Alaska fliegen würde, um den großen Weißen (indianischer Name) zu besteigen. Dieser war zunächst etwas erstaunt, aber dennoch gleich begeistert dabei. Der dritte im Bunde war Andy, ebenfalls ein langjähriger Bergkamerad. Allerdings wollte zunächst noch keiner so recht daran glauben. Für mich war die Besteigung dieses Berges schon sehr lange ein Traum. Ich wollte unbedingt dort hinauf, weiß der Teufel warum. Allerdings scheiterte schon vor Jahren der Versuch, sich für diesen Berg aufzurappeln und die Organisation in die Hand zu nehmen. Damals lockte eine sechsmonatige Kletterreise in die USA doch mehr.

Nun aber ging die Organisation und Planung richtig los. Fehlende Ausrüstungsteile mußten besorgt oder gekauft werden. Der USA-Flug und der Gletscherflug ins Basislager am Denali gebucht und die gesamte Verpflegung für mindestens 14- 20 Tage zusammengestellt und gekauft werden. Da wir schon viele Touren unternommen hatten und unsere Ausrüstung schon weitgehend vorhanden war, handelte es sich nur noch um einige spezielle Dinge, wie besonders warme Unterwäsche und Schuhe, genauso wie Mützen und Handschuhe. Die Schlafsäcke, die wir besaßen, waren weitgehend ausreichend. Allerdings trieben die Schauergeschichten über die erbärmliche Kälte am Denali Andy und Stefan zu einem Bettengeschäft, um ihre Schlafsäcke doch noch etwas "aufzudaunen".

Dank des Internets und des E-Mails war die Reservierung des Gletscherfluges und die Anmeldung bei der Rangerstation in Talkeetna überhaupt kein Problem. Einige Mails hin und her und die Sache war gebucht. Selbst der Transfer vom Anchorage International Airport nach Talkeetna, dem Ausgangspunkt und Flugplatz für die Flugzeuge ins Basislager, konnte per E-Mail abgehandelt werden. Die Buchung des Fluges von Deutschland nach Anchorage war dann nur noch eine Pflichtübung in einem Reisebüro.

Die Zusammenstellung der Verpflegung machte da schon größeres Kopfzerbrechen. Einerseits sollte sie sehr kalorienreich sein, andererseits auch nicht zu schwer. Dies führte oft zu längeren Diskussionen, die Spanne reichte von Schnitzel bis zu Astronautennahrung.

Nach einigen Gesprächen mit einem Ernährungswissenschaftler kamen wir dann auch mehr und mehr zu einem Ergebnis. Die warmen Hauptmahlzeiten sollen aus Traveller Lunchpaketen bestehen, die in verschiedenen Geschmacks- versionen erhältlich sind. Als Frühstück diente uns für die tieferen Lager ein fertiges Gemisch aus Sportlermüsli mit Milchpulver oder Fruchtschnitten.

Für die höheren Lager wurde für uns eine Mischung aus Frühstücksflaces und Energiepulver, wie für Hochleistungssportler oder Bodybuilder, gemixt. Trotz einiger Argumente gegen Fleischprodukte ließen wir uns eine Variation von dünn geschnittener Salami und verschiedenen Räucherwürsten zusammenstellen. Diese ganzen Dinge wurden Portionsweise für jede Tagesration Vakuum verpackt. Speziell die Fleischprodukte erwiesen sich als sehr entgegenkommende Abwechslung, die nicht zuletzt auch die Lagermoral immer etwas auffrischte. Es gibt nichts Schlimmeres, als nach einem anstrengenden Tag auch noch mit Überwindung etwas herunter zuwürgen das zwar nahrhaft und kalorienreich ist, bei dem der Geschmack aber eher auf der Strecke bleibt. Die kohlenhydrathaltigen Spaghetti sind letztlich auch in irgendeinem Materialdepot zurückgeblieben und warteten auf uns bis zum Abstieg.

Die Zubereitung dieser Spaghetti brauchte oft zu viel Zeit und Energie.
Die restliche Zusatzernährung bestand aus Fruchtschnitten, Schokolade usw. Der Getränkehaushalt wurde fast völlig durch isotonisches Getränkepulver in verschiedenen Geschmacksvarianten zusammengestellt. Hier war eine Tagesration von mind. 4-5 Liter pro Person und Tag eingeplant. Dies sollte auch streng eingehalten werden, da der Körper in diesen Höhen und bei einer derart trockenen Luft sehr viel Wasser verliert. Außerdem begünstigt das viele Trinken auch die Akklimatisation, was bei allen höheren Bergen das Wichtigste ist und auf das sehr geachtet werden sollte.

Die Vorgehensweise bei der Expedition selbst wollten wir je nach Leistung und Wohlbefinden individuell gestalten. Für uns war das amerikanische Schlagwort "Carry high sleep low" der Schlüssel zum Erfolg. Also Materialtransport in ein höheres Lager und zum Schlafen Abstieg in ein tieferes Lager. Diese Fortbewegungsart kostet allerdings oft einige Überwindung. Wurde einmal Höhe gewonnen, muß wieder voll abgestiegen werden, um sich am nächsten Morgen wieder hoch zu quälen. Dennoch wird hierdurch der Körper zur Akklimatisation angeregt und die Lasten werden auch etwas verteilt. Das heißt, zunächst wird Benzin, Verpflegung und evt. Ausrüstung höher getragen, um dann am zweiten Tag mit dem Zelt und den restlichen Dingen ganz aufzusteigen. Auf diese Art schafften wir den Gipfel innerhalb von 9 Tagen, trotz eines Schlechtwettereinbruchs von zwei Tagen, der uns ordentlich Neuschnee bescherte. Hierdurch wurde auch unser Plan, den Gipfel über die Westrip zu besteigen nichtig. Also weiter auf der West Buttress. Unsere Vorgehensweise sah wie folgt aus:


1.Tag Ankunft im Basislager, Materialtransport von 2000m auf 2700m über
eine Distanz von 11km, Abstieg ins Basislager.
2.Tag Versetzen des Lagers vom Basislager auf 3000m
3.Tag Materialtransport von 2700m auf 3700m und Abstieg ins 3000m Lager.
4.Tag Versetzen des Lagers auf 4000m.
5.Tag Materialtransport von 3000 auf 4200m, Abstieg auf 4000m.
6.Tag Versetzen des Lagers auf 4200m.
7.Tag Materialtransport von 4200m auf 5000m, Abstieg auf 4200m.
8.Tag Versetzen des Lagers auf 5300m, Mitnahme der gesamten
Gipfelausrüstung und Verpflegung für 2 Tage. Die restliche Verpflegung für weitere 5 Tage inkl. Benzin bleibt auf 5000m.
9.Tag Gipfeltag! Bei -37°C, innerhalb von 7 Stunden auf den 6194m hohen
Gipfel und 2 Stunden zurück ins 5300m Camp.
10.Tag Abstieg auf 3300m mit dem gesamten Gepäck.
11.Tag Abstieg ins Basislager und Rückflug nach Talkeetna.


Auf diese Weise konnten wir 4 Nächte auf 4000m bzw. 4200m verbringen. Dieses ist sehr wichtig und wird auch von den meisten Denalibesteigern empfohlen. Die Mitnahme von Tourenski brachte uns einen immensen Vorteil auf den tieferen Gletschern und beim schnellen Zurückkehren nach den Materialtransporten. Selbst die billigen Schlitten, auf denen das Material transportiert wurde, machten bei einer Skiabfahrt keine besonderen Probleme. Dennoch gestaltete sich der Abstieg schwieriger, als vorauszusehen war, da beim Abstieg immer das gesamte Gepäck inkl. der Verpflegung, die wir in verschiedenen Depos zurückließen, getragen bzw. auf dem Schlitten gezogen werden mußte.

Die Saison dauert am Denali von Mai bis Juli. Während im Mai weniger die Gefahr von Spaltenstürzen besteht, aber die Temperaturen eher abweisend sind, ist es im Juni bzw. Juli zwar angenehmer, andererseits nehmen die Niederschläge wieder zu, und die Gefahr eines Spaltensturzes steigt rapide. Allerdings zeichnete sich in den letzten Jahren der Juni als optimal aus. Die West Buttress ist zwar eine oft begangene und die einfachste Route am Denali, allerdings ist "einfach" relativ an diesem Berg. Er sollte ernst und mit gebührendem Respekt behandeln werden, da sich die Verhältnisse am Berg sehr schnell lebensbedrohlich ändern können.

Weitere Infos gibt es per Internet oder von der Ranger Station direkt per Post. Karten und Führermaterial (wenn man dieses so nennen kann), sowie eine deutschsprachige Infobroschüre mit viele Tips und weiteren Adressen sind ebenfalls hier erhältlich. Zu beachten ist auch eine 60-Tage-Anmeldefrist vor der geplanten Tour, die für eine Besteigung von Denali und Mt. Forker nötig ist. Ebenfalls sind 150$ (Stand 1997) pro Person für die beiden Berge zu entrichten.

Einige nützliche Adressen:

Van und Shuttle Service:
Talkeetna Shuttle, E-Mail: tshuttle@alaska.net
Daily Van Service, Po Box 448, Denali Natl. Park, Alaska 99755

Gletscherflüge:

Talkeetna Air Taxi, P.O.Box 73, Talkeetna, Al. 99676, Fax 907-733-1434
Tel.:907-733-2218, E-Mail: flytat@alaska.net
K2 Aviation, Box 545-B, Talkeetna, Al. 99676, Fax 907-733-1221 Tel.: 907-
733-2291, E-Mail: flyk2@alaska.net

Ranger Station:

Chief Climbing Ranger, Denali Nt. Park, P.O.Box 327, Talkeetna, Al. 99676
Tel.: 907-733-2231, E-Mail: DENA_Talkeetna_Office@nps.gov

weitere Infos per www:

http://www.nps.gov/dena/
http://www.Denalinationalpark.com
http://www.denali.national-park.com
http://www.denali.org/


Kurzinfo:

Charakter:

Sehr anspruchsvolle Expedition. Hervorragende Kondition und Verfassung sowie Teamgeist und Leidensfähigkeit sind Grundvorrausetzung. Diese Expedition verlangt sehr gute Ausrüstung und eine genaue und Umfangreiche Vorplanung.

Anreise:

Von Anchorage (int. Flughafen) entweder mit der Bahn oder mit dem Bus Richtung Fairbanks. Nach ca. der Hälfte der Strecke nach Fairbanks abzeigen nach Talkeetna. Von hier mit einem der Gletscherflugzeugen in das ca. eine Flugstunde entfernte Basislager.


Besteigungsdauer:

Je nach Witterung 2 ½ - 3 Wochen

Beste Jahreszeit:

Mitte Mai bis Ende Juli. In den letzten Jahren gelangen Wetterbedingt im Juni die meisten Besteigungen.